Schuss ins Glück oder: Niklas Wackler lernt fliegen

Fußball Der TSV Ilshofen besiegt den FV Ravensburg mit 1:0 und kommt dem Klassenerhalt in der Oberliga damit sehr nahe. Von Hartmut Ruffer


Manchmal spüren Spieler, Trainer und Zuschauer, dass etwas in der Luft liegt. Am vergangenen Samstag war das Fall. In der 86. Minute meldeten sich auf einmal die Ilshofener Fans auf der Terrasse des Vereinsheims: „TSV!. TSV!“ riefen sie. Auf dem Feld brüllte Maximilian Egner: „Brust raus!“ Die nächste Szene entschied das Spiel. Erst wurde der Ball lang nach vorne geschlagen. Nach einem Kopfballduell kam das Spielgerät zu Niklas Wackler. Der lief noch ein paar Meter. „Ich habe ihn gut getroffen“, meinte Wackler nach dem Spiel. Mit „ihn“ ist der Ball gemeint, der links oben im Ravensburger Tor einschlug.


Spieler, Ersatzspieler, Betreuer – alle rannten in Richtung des kleinen Mittelfeldspielers, es bildete sich ein Freudenknäuel. Der TSV Ilshofen hatte es geschafft und nach dem Sieg in Freiberg drei weitere Punkte geholt. 40 Zähler hat der Aufsteiger nun gesammelt. Vor der Saison glaubte Vorstand Fußball Dario Caeiro, dass diese reichen würden. „Aber es sind wohl 41“, meinte er nun mit einem breiten Grinsen. Tatsächlich hat Ilshofen rechnerisch den Klassenerhalt noch nicht geschafft, aber es sieht nach dem nicht unverdienten Sieg sehr, sehr gut aus. Spielertrainer Ralf Kettemann drückte es so aus: „Jetzt haben wir zwei Matchbälle.“ Gemeint ist: An den beiden letzten Spieltagen kann Ilshofen aus eigener Kraft den Verbleib in der Oberliga realisieren.


Dafür war ein Kraftakt notwendig. „Die Art und Weise, wie wir gewonnen haben, war sicher nicht die geilste“, meinte Ralf Kettemann. Spielerisch betrachtet hatte er damit Recht, doch schon im folgenden Satz wurde deutlich, was er ausdrücken wollte. „Ravensburg ist so krass ausgeglichen besetzt. Eigentlich ist das Team stärker als wir. Doch wir haben es geschafft, ein ausgeglichenes Spiel zu bekommen.“ Kettemann stellte die Teamleistung in den Vordergrund, die stark war. Zudem hatte Ilshofen die besseren Chancen, sodass der Spielertrainer davon überzeugt war, „dass dies kein glücklicher Sieg war“.


Nils Wacklers Schuss ins Ilshofener Glück war die Belohnung der harten Arbeit. Und doch hatte sich der Treffer trotz der Vorahnung der Fans nicht abgezeichnet, zumindest, wenn man die 15 Minuten davor zum Maßstab nimmt. Denn in dieser Zeit kam Ilshofen nicht gefährlich vor das Ravensburger Tor, zuvor allerdings schon.


Benjamin Kurz raufte sich die Haare, als er vom gerade eingewechselten Lukas Lienert steil geschickt wurde, den Ball aber nicht an Ravensburgs Torwart Haris Mesic vorbeibrachte. Schon vor der Pause war der Stürmer auffällig. Er bediente nach wenigen Minuten Sangar Aziz, der an Mesic scheiterte, und erzielte kurz darauf ein Abseitstor.


Die Proteste gegen die Entscheidung hielten sich in Grenzen, doch der Unparteiische Philipp Lehmann zog sich manches Mal den Unmut der Spieler zu, weil einige seiner Entscheidungen nicht von allen verstanden wurden.


Fast ein Eigentor


Es zeigte aber auch, dass zum einen Ilshofen nach dem Freiberg-Sieg mit mehr Selbstvertrauen agierte, zum anderen Ravensburg nicht zum Abschenken nach Ilshofen gekommen war. Zwar kann das Team von Trainer Steffen Wohlfarth sicher noch etwas besser spielen, doch es zeigte auch in Ilshofen seine Qualität. Karel Nowak im TSV-Tor musste in der 70. Minute gleich zweimal gegen Daniel Schachtschneider parieren.

 

Die größte Prüfung legte ihm aber unfreiwillig sein eigener Kapitän auf: Maximilian Egner spielte Mitte der ersten Halbzeit – zu einem Zeitpunkt, als Ravensburg noch nicht offensiv in Erscheinung getreten war – den Ball mittig zu Nowak zurück. Der war aber schon aus seinem Tor herausgelaufen und konnte den Ball nur nach einem beherzten Sprint kurz vor der Linie wegschlagen. Vor drei Wochen wäre Nowak wahrscheinlich zu spät gekommen. Der TSV hat nun wieder das Spielglück, das sich das Team erarbeitet hat.TSV Ilshofen vs. FV Ravensburg 1:0 (0:0)

Tor: 1:0 Niklas Wackler (86.)

Bericht folgt