Interview: Lukas Lindner

In seinem ganzen Fußball-Leben hat Lukas Lindner bislang kein anderes Trikot getragen als das des TSV Ilshofen. Der 22-jährige Lehramtsstudent spielt seitdem er vier Jahre alt ist beim TSV, bei dem er auch als E-Jugend-Trainer und Teamkoordinator von den Bambini bis zur D-Jugend fungiert. Mit Ilshofen ist er 2018 in die Oberliga aufgestiegen und erwartet an diesem Samstag den aktuellen Spitzenreiter SGV Freiberg.

Herr Lindner, am vergangenen Wochenende war Ilshofen spielfrei. Haben Sie das Wochenende tatsächlich ohne Fußball verbracht?
Lukas Lindner: (lacht) Natürlich nicht. Fußball ist bei mir und meiner Familie immer ein Thema. Ich habe mir am Sonntag das Spiel unserer dritten Mannschaft angeschaut, die seit dieser Saison in einer Spielgemeinschaft mit dem SV Großaltdorf ist. Außerdem war es toll, dass es am Samstag sieben Bundesliga-Spiele gab. Und das Mailänder Derby Inter gegen AC gab es auch noch.

Aber Sie mussten selbst nicht auf dem Platz stehen. War das angenehm?
Tatsächlich habe ich das so empfunden. Ich hatte endlich einmal Zeit für meine Familie und meine Freunde. Ein freies Wochenende hatte ich ja schon lange nicht mehr.

Elf der 42 Spieltage sind in der Oberliga absolviert. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?
Es waren bei uns beide Extreme drin. In Neckarsulm und gegen Reutlingen hat es bei uns vorne und hinten nicht gepasst. Andererseits hatten wir Spiele wie gegen Linx oder in Sandhausen, in denen jeder gespürt hat, dass alle alles geben. Was uns bisher gefehlt hat, ist, dass wir konstant über 90 oder auch 95 Minuten konzentriert bleiben.

Nun kommt der SGV Freiburg, der eine Mannschaft besitzt, in der viele schon Dritt- oder gar Zweitligaerfahrung haben. Ist ein solcher Gegner „für den Kopf“ leichter?
Ja, das denke ich schon. Das ist eines von den Spielen, bei denen wir wissen, dass wir nichts zu verlieren haben und einfach alles reinhauen, was wir haben. Uns ist schon klar, dass wir das gegen jeden Kontrahenten machen müssen. Aber manchmal ist das nicht so leicht. Immerhin stehen wir damit nicht alleine da, anderen Mannschaften passiert das auch.

Was für Chancen sehen Sie für den TSV Ilshofen gegen Freiberg?
Nach dem freien Wochenende hat jeder wieder richtig Lust darauf zu kicken. Zudem hat Freiberg gegen Sandhausen II nach einer 3:0-Führung nur 3:2 gespielt. Da wissen wir, dass was gehen kann. Zudem sind wir ein unbequemer Gegner.

Wie meinen Sie das?
Freiberg ist ein Favorit auf den Aufstieg. Als ich in der zweiten Mannschaft des TSV in der Bezirksliga gespielt habe, waren wir in der gleichen Rolle. Es ist sehr schwierig, gegen eine aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft zu spielen. Das habe ich mehrfach erlebt und weiß, wie eklig das ist. Jeder von uns wird gegen Freiberg alles geben.

Ohne den Teamspirit geht es also nicht?
Genau, das kommt von jedem Einzelnen von uns. Wir sind alle dankbar dafür, dass wir in der Oberliga spielen können. Niemand hatte sich das zuvor erträumt, auch ich nicht.

In Ihrem zweiten A-Jugend-Jahr haben Sie im damaligen Verbandsligateam die ersten Einsätze gehabt, danach kam sukzessive mehr, bis jetzt, wo Sie regelmäßig in der Oberliga spielen. Wie haben Sie Ihre Entwicklung selbst erlebt?
Ich empfand das als sehr schwierig. Prinzipiell bin ich ein sehr selbstkritischer Typ. Ich will auf dem Boden bleiben. Als ich noch in der B-Jugend war, habe ich bei der A-Jugend mitspielen dürfen und habe da auch recht regelmäßig Tore geschossen. Als ich im zweiten A-Jugend-Jahr meine ersten Einsätze bei den Aktiven hatte, habe ich mich nicht wohl gefühlt. Ich dachte, dass alle besser waren als ich. Letztlich war der entscheidende Faktor Kette.

Damit ist der ehemalige Spielertrainer Ralf Kettemann gemeint. Was hat er gemacht?
Er hat mir das Vertrauen geschenkt. Ich habe öfter gespielt und nach der ersten Oberligasaison hatte ich erstmals das Gefühl: Ich kann das. Und dann waren in Reutlingen Benni Kurz und Michele Varallo verletzt, und ich durfte von Anfang an spielen. Alle Mitspieler haben ausgestrahlt, dass ich es schaffe. Und dann habe ich mein erstes Oberliga-Tor geschossen.

Sie spielen schon immer für den TSV Ilshofen. Gab es nie Anfragen anderer Vereine?
Ich wollte ja gar nicht weg. Zudem habe ich in der Jugend maximal in der Bezirksstaffel gespielt, nie höher. Ich möchte ein Umfeld, in dem ich mich wohl fühle und das habe ich hier zu 100 Prozent. Bei aller Liebe und Hingabe zum Fußball war meinen Eltern immer wichtig, dass Schule, Ausbildung oder jetzt Studium im Vordergrund stehen.

Sie spielen nun die dritte Saison in der Oberliga. Hat sich die Stärke der Spielklasse verändert?
Ich glaube, dass sie gleich stark geblieben ist. Es gibt zwei, drei Teams, die vorneweg marschieren, weil sie unbedingt aufsteigen wollen. Und dann gibt es ganz viele, die wie wir Fußball spielen, eher sogar etwas schlechter. Deshalb glaube ich, dass der Klassenerhalt ganz und gar nicht unrealistisch für uns ist. Wir haben eine Mannschaft, bei der der Kern seit Jahren zusammen und mit den Aufstiegen auch mitgewachsen ist. Hier darf jeder, der Lust darauf hat, mitwachsen.

Queller: Haller Tagblatt