„In der Kabine war es still“

Ralf Kettemann hat angekündigt, in der kommenden Saison den TSV Ilshofen nicht mehr zu trainieren. Der 32-Jährige hat den Verein in den vergangenen acht Jahren geprägt. Von Hartmut Ruffer

Er hat sich einen besseren Zeitpunkt gewünscht als nach dem 0:2 gegen Neckarsulm. „Ausgerechnet nach so einer Begegnung“, meinte Ralf Kettemann. Denn sein Team kämpfte 60 Minuten in Unterzahl, konnte sich aber nicht belohnen. „Aber es musste jetzt sein. Sonst wäre es zu spät gewesen.“ In der Vergangenheit hat Kettemann immer relativ spät seine Zugabe gegeben. Er hat immer um ein Jahr verlängert. Mehrjahresverträge sind seine Sache nicht. „Ja, ich war in den Vorjahren immer vergleichsweise spät dran, aber im Grunde gab es die ersten sechs Jahre kein Zögern“, blickt er auf die damaligen Entscheidungen zurück.
Nur im vergangenen Jahr grübelte er etwas. „Damals war die Situation aber so, dass ich gar nicht gehen konnte und wollte.“ Im April stand erst nach einer Satzungsänderung fest, dass es mit höherklassigem Fußball beim TSV weitergehen kann. „Und sportlich lief es damals auch nicht rund.“ Erst durch einen beachtlichen Schlussspurt erreichte Ilshofen noch den zweiten Rang in der Verbandsliga und über die Relegation den Sprung in die Oberliga.
Dem Trainer fehlen die Worte
Nun sei der passende Zeitpunkt, meint Kettemann. Ihm sei es sehr schwergefallen, seine Entscheidung dem Trainerteam und der Mannschaft mitzuteilen. Das bestätigt Dominik Rummler. Der momentan verletzte Verteidiger war in der Kabine dabei. „Ihm haben fast die Worte gefehlt.“ Wer Kettemann kennt, weiß, dass er damit sonst keine Probleme hat. Er sei kurz geschockt gewesen, berichtet Rummler. „In der Kabine war es still.“
Letztlich habe der erfahrene Carl Murphy als Erster etwas gesagt und sich beim Trainer bedankt. Das berichtet Dario Caeiro, Fußball-Vorstand des TSV Ilshofen. Er hat die vergangenen acht Jahre das Führungsduo mit Kettemann gebildet. Auch privat verstehen sich die beiden gut. Seit dem Arena-Cup im Januar wusste Caeiro, dass Kettemann mit sich ringt, ob er weitermachen soll oder nicht. Sosehr er diesen Schritt bedauert, kann er ihn doch nachvollziehen. „Kette war extrem angespannt.“
Das bestätigt der Spielertrainer. „Ich war nicht mehr glücklich, habe mich gefühlt immer im Tunnel befunden. Das mag bei der Fokussierung auf Spiele gut sein, aber man muss da auch wieder rauskommen.“ Das sei ihm zuletzt nicht mehr gelungen. Vor allem seine Funktion als Sportlicher Leiter habe am meisten Kraft gekostet.
Drei Optionen
Was Kettemann in Zukunft machen wird, weiß er noch nicht. Lediglich eine Wiederaufnahme des Lehramtsstudiums schließt er aus. „Entweder werde ich gar nichts machen, was mit Vereinsarbeit zu tun hat. Oder ich werde irgendwo anders Trainer. Das erscheint mir aber momentan am unwahrscheinlichsten. Die dritte Variante ist, dass ich in irgendeiner Form beim TSV bleibe, als Sportlicher Leiter, als Stand-by-Spieler.“
Dario Caeiro wird ihm die Zeit zu der Entscheidung geben, gleichzeitig einen neuen Trainer suchen. „Ich werde mit dem Mannschaftsrat sprechen. Wir brauchen einen Trainer, der auch menschlich zu uns passt.“ Dafür will er auch den guten Ruf, den sich der TSV erworben habe, nutzen.
Die Nachricht ausgesprochen zu haben, war für Ralf Kettemann nur teilweise befreiend. „Wir stecken noch mitten in der Saison und haben das Ziel, die Klasse zu halten. Wenn uns das gelingt, ist es für mich das Größte, was ich mit Ilshofen geschafft habe. Die Oberliga ist eine ganz andere Nummer, das vergessen manche. Der Klassenerhalt wäre für mich ein größerer Erfolg als alle Aufstiege.“