Hohenlohe-Auswahl gegen den VfB: Elf Tore und noch mehr Autogramme

Testspiel vor toller KulisseSchneller passen“, „Ailton, bleib außen“ und immer wieder „Druck, Druck, Druck“ nach einem Ballverlust. Stuttgarts neuer Trainer Tim Walter dirigiert zwar nicht lautstark, aber mit bestimmtem Ton seine VfB-Spieler von der Seitenlinie aus. Klar ist zu erkennen, wo die Reise spielerisch hingehen soll in der neuen Zweitliga-­Saison: schnelles Spiel nach vorne, wenige Kontakte und sofortiges Gegenpressing, wenn der Ball beim Gegner landet. 

Seine Spieler setzen das am Sonntagnachmittag mit der Dauer des Spiels immer besser um. Am Ende steht für den Absteiger aus der ersten Liga ein 11:0 gegen eine Hohenlohe-­Auswahl.

Die Partie beginnt mit einer Viertelstunde Verspätung. Der trockene und stumpfe Rasen ist nicht nach dem Geschmack der Stuttgarter Profis. Allerdings funktioniert die Bewässerungsanlage auf dem Ilshofener Sportplatz erst kurz vor Spielbeginn und auch nur auf einer Spielhälfte. „Die Gemeinde hätte dafür sorgen müssen“, ärgert sich Dario Caeiro vom veranstaltenden TSV Ilshofen kurz vor Spielbeginn.

Kocak an die Latte

Es wird aber nicht nur daran gelegen haben, dass die Stuttgarter nach 40 Minuten lediglich 1:0 führen, nachdem Ex-Nationalspieler Mario Gomez kurz nach Beginn getroffen hatte. Im Anschluss lassen die Stuttgarter zwar den Ball laufen, kommen aber 30 Minuten lang kaum in Abschlusspositionen. Die Hohenloher verteidigen nach Kräften und setzen einen gefährlichen Konter an. Serdal Kocak, zuletzt in der Landesliga bei der Spvgg Satteldorf unter Vertrag, hämmert den Ball aus 20 Metern an die Latte (12.). Zwischendurch tunnelt Ralf Kettemann den Stuttgarter Klement im Mittelfeld, was prompt – wie Kocaks Lattenschuss – zu Szenenapplaus der 3500 Zuschauer führt. Auch Keeper Thomas Weiß aus Crailsheim kann sich auszeichnen, als Gomez ihn mit der Hacke aus fünf Metern anschießt.

Stuttgart-Coach Tim Walter, der nach rund 20 Minuten im Stehen seine Anweisungen gibt, lobt und mahnt seine Spieler zu gleichen Teilen. Seine Wasserflasche knallt er aber in der 33. Minute auf den Boden, da Leon Dajaku völlig frei aus zwei Metern danebenschießt. „Leeeeon, gib den Ball ab“, schreit Walter. Auch der frei stehende Mario Gomez ärgert sich über Dajakus Eigensinn.

Der Einbruch der Hohenloher folgt fünf Minuten vor der Halbzeit. Bei den warmen Temperaturen können die Einheimischen dem Tempo des VfB nur schwer folgen. Vier Treffer hintereinander fallen für die Stuttgarter kurz vor der Halbzeit. Unter anderem hat Kettemann diesmal Pech, als ihm ein Eigentor kurz vor der Torlinie unterläuft, wenngleich hinter ihm ein VfB-Spieler den Ball wohl auch versenkt hätte.

Zur Halbzeit wechselt die Hohenlohe-­Auswahl bis auf Torwart Weiß komplett durch. Auch beim VfB kommen neun neue Akteure rein. Am Spielverlauf ändert das nichts, die Profis geben den Ton an und erhöhen Tor um Tor. Sehenswert ist beispielsweise Erik Thommys 8:0, der von der linken Strafraumkante den Ball mit einem angedrehten Schuss an den Innenpfosten setzt, von wo der Ball dann ins Netz fliegt.

Unterdessen bleibt die Stimmung auf den Rängen verhalten, viele warten einfach auf den Schlusspfiff, um die begehrten Autogramme und Selfies mit den VfB-Spielern zu erhaschen. Während die zweite Halbzeit läuft, wird Gonzalo Castro, der in der ersten Halbzeit randurfte, in der Nähe der Tribüne von Kindern umringt. Geduldig erfüllt Castro, der den VfB als Kapitän aufs Feld geführt hat, die Wünsche der vielen Fans. In der Zwischenzeit machen es die Stuttgarter Profis zweistellig und erhöhen am Ende auf 11:0.

„Wir haben ein munteres Spiel von unserer Seite gesehen. Wir haben schon viel umgesetzt, was ich sehen wollte. Von daher bin ich schon zufrieden“, sagt Tim Walter nach dem Spiel. Der Verein sei einmalig, zum Trainingsauftakt in Stuttgart seien trotz des Abstiegs 4500 Leute gekommen. „Die Unterstützung ist großartig. Unser Ziel ist, unsere Fans glücklich zu machen und wieder nach oben zu kommen.“

Hohenlohes Spielertrainer Ralf Kettemann haderte etwas mit dem Ergebnis. „Es sah ja 35 Minuten gut aus. Da stand es noch nur 0:1. Aber die vier Gegentore kurz vor der Halbzeit taten weh. Wenn wir vielleicht nur mit einem 0:2 in die Pause gehen, dann wird es am Ende nicht zweistellig.“ Der ganz große Unterschied zwischen unterklassigen Spielern und Profis sei die Athletik, was beim warmen Wetter noch mehr zum Tragen komme, so Kettemann. Auch Hohenlohe-Akteur Simon Wilske unterstreicht die Dynamik der VfB-Spieler. „Die Richtungswechsel, das geht so schnell. Es war für uns eine gute Trainingseinheit gegen den Ball“, sagt Wilske mit einem Schmunzeln.