BWK Arenacup: Rückblick 2020

Turnierbericht

Ein bisschen parteiisch war ich in diesem Jahr schon“, freute sich Turnierorganisator Dario Caeiro über den Turniersieg von Benfica Lissabon. Zum zweiten mal war das Team aus seinem Herkunftsland Portugal dabei und nach einer durchwachsenen Premiere vor zehn Jahren gelang den C-Junioren nun ganz überraschend der Titelgewinn. Überraschend  deshalb, da die Lissabonner Nachwuchskicker eigentlich nie in der Halle kicken oder trainieren. Zudem kamen sie in ihrer Vorrundengruppe gerade mal zu einem Sieg, und das gegen das Bezirksligateam von Gastgeber TSV Ilshofen.

BVB-Keeper bricht sich den Arm

Doch am zweiten Turniertag wurden die Portugiesen immer stärker, bezwangen in der Zwischenrunde die am ersten Turniertag bärenstarken Hamburger und auch die TSG Hoffenheim. Im Viertelfinale hatten sie allerdings Glück, dass sich der Dortmunder Keeper in der Vorrunde ohne gegnerische Einwirkung unglücklich den Arm gebrochen hatte. Ein Feldspieler musste so beim BVB ins Tor und der sah bei zwei der vier Gegentreffer nicht gerade glücklich aus.  Doch immer mehr hatten sich die Südeuropäer inzwischen an Intensität und Tempo in der Halle gewöhnt und zogen nach dem Halbfinalerfolg über Borussia Mönchengladbach verdient ins Finale ein.

Dort trafen sie auf den VfB Stuttgart, der bis auf die Vorrundenpartie gegen Lissabon (2:2) alle seine bisherigen Partien zum Teil sogar äußerst deutlich gewonnen hatte. Vor allem die Offensive der Stuttgarter um Torjäger Ricardo Kriznan und dem trickreichen Benjamin Boakye war kaum zu stoppen und sorgte für insgesamt 40 VfB-Treffer im Laufe des Turniers. „Ein unfassbares Spiel“, schwärmte Caeiro nach dem Halbfinale. 2:53 Minuten Restspielzeit zeigte die Anzeigetafel an und der VfB lag mit 0:4 gegen Hertha BSC scheinbar aussichtslos im Hintertreffen.

Historischer Halbfinalkrimi

Doch die Stuttgarter spielten sich nach dem Doppelpack von Kriznan in einen wahren Rausch. Die Halle tobte als zwölf Sekunden vor Schluss den Stuttgartern sogar noch der Siegtreffer gelang – ein wirklich historisches Semifinale, das allen Beteiligten und den Zuschauern in der wieder voll besetzten Arena Hohenlohe sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Auch das kleine Finale endete mit einem torreichen 5:4, allerdings dieses Mal mit dem glücklicheren Ende für die Berliner gegen Borussia Mönchengladbach.

Im Endspiel trafen dann die beiden besten Teams des Turniers aufeinander. Doch beim VfB schien nach dem Halbfinalkrimi irgendwie die Luft raus zu sein. Auf der anderen Seite war Lissabon nicht mehr zu stoppen und durfte schließlich mit Freudentänzen auf dem Kunstrasenplatz nach einem nie gefährdeten 4:2-Erfolg den Turniersieg feiern.

„Anfangs taten sich die technisch versierten Lissaboner schwer, aber im Laufe des Turniers haben sie den körperlichen Fußball immer besser angenommen“, sieht Caeiro das Team aus Portugal am Ende auch als verdienten Turniersieger.

Bei der Playersnight am Samstagabend gab es viel Lob für die rund 200 ehrenamtlichen Helfer von den Trainern der teilnehmenden Profiklubs.. „Es ist wirklich klasse, wie ihr das Turnier lebt.“ Nicht nur das Teilnehmerfeld und die Stimmung in der Arena beeindrucken Trainer Marc Heidemann von Vorjahressieger FSV Mainz, „ganz toll sind vor allem die vielen ehrenamtlichen Helfer im Umfeld. Wir kommen immer gerne hierher.“

Benfica Lissabon

Müde wirkten die Nachwuchskicker und ihre Trainer, als sie zum Mittagessen in der Arena Hohenlohe eintrafen. Bereits am frühen Morgen um 3 Uhr waren sie am Freitag in den ­Flieger gestiegen, um von Lis­sabon über Amsterdam nach Stuttgart zu gelangen. Als Dolmetscherin und Mannschaftsbetreuerin empfing sie Sonia Rummler, die Schwester von Turnierorganisator Dario Caeiro. Sie hat portugiesische Wurzeln und freute sich deshalb ganz besonders darüber, mit ihren Sprachkenntnissen ihre Gäste bei ihrem viertägigen Aufenthalt unterstützen zu können.

Schon beim ersten BWK-Arena-Cup war die Truppe von Benfica Lissabon zu Gast in Ilshofen. Der Kontakt zu den Spielern und den Trainern sei damals gut gewesen, aber so richtige Verbindungen seien leider nicht entstanden. „Ich hatte zwar noch knapp ein halbes Jahr Kontakt, aber der schlief schnell ein. Vielleicht wird es dieses Mal anders?“

Europäischer Topklub

Sichtlich stolz ist auch Dario Caeiro, dass er mit Benfica Lissabon einen europäischen Topklub nach llshofen lotsen konnte. „Benfica ist zudem mein Herzensklub und neben den Spielen des TSV Ilshofen der einzige Fußballverein, der richtige Emotionen in mir auslöst. Benfica ist für mich Heimat, Erfolg und Familie.“ So begrüßte er Trainer und Spieler bei der Players Night auch in seiner Muttersprache auf Portugiesisch.

„Für die Jungs ist es das erste Turnier im Ausland, ich war bereits drei Mal mit einem Team in Deutschland bei einem Turnier“, berichtet Rui Pedro Braga. In Portugal gibt es keine Hallenturniere, „weil bei uns das Wetter immer schön ist“, erzählt der Teammanager von Benfica Lissabon schmunzelnd. Dennoch hat sich sein Team auf den Auftritt in Ilshofen vorbereitet. „Bis zur U 13 gibt es viele Futsalturniere auf kleinem Court. Wir haben in den letzten Wochen auch auf dem engen, schmalen Spielfeld ein paar Mal trainiert.“ Einmal im Jahr treten die C-Junioren bei einem Hallenturnier im Ausland an. „Es ist wichtig für unsere Spieler, solche Erfahrungen zu sammeln. Und dies nicht nur im sportlichen Bereich, sondern auch im sozialen. Die Jugendlichen lernen andere Länder und Kulturen durch den Fußball kennen.“

Er freut sich sehr über die Einladung zu diesem hochkarätig besetzten Turnier. „Wir können uns in Ilshofen mit Mannschaften auf höchstem Level messen. Die deutschen Teams sind athletischer und taktisch sehr gut ausgebildet“, so Braga. Seine Spieler kämen hauptsächlich über ihre technischen Fähigkeiten. „Auf diesem hohen Niveau können wir sehen, wo wir stehen, und auch noch einiges dazulernen.“ Ein konkretes Ziel hat er für den BWK-Arena-Cup nicht ausgegeben: „Wir schauen von Spiel zu Spiel. Das ist unsere Mentalität in Portugal.“

Schwer ins Turnier gefunden

Recht schwer kamen die Nachwuchskicker dann auch ins Turnier, am ersten Tag schafften sie lediglich einen Sieg gegen die Ilshofener Bezirksligatruppe. „Meine Favoriten sind Stuttgart, Leipzig, Dortmund und Bayern“, so die Einschätzung Bragas nach dem Auftakttag. Sein eigenes Team hatte er da noch gar nicht auf dem Zettel, zumindest die Zwischenrunde sollte es aber schon werden, um möglichst viel Spielpraxis zu bekommen. Doch wie erhofft steigerte sich sein Team, lernte von Spiel zu Spiel dazu und hielt in den Zweikämpfen immer besser dagegen. Die Spieler aus Lissabon steigerten sich förmlich in einen Rausch und konnten am Ende im Finale sogar die bärenstarken Stuttgarter bezwingen – und das verdient.

Das komplette Team war beim Mannschaftssponsor im „Landhaus Hohenlohe“ untergebracht. Der Shuttle-Service mit ehrenamtlichen Fahrern vom TSV Ilshofen übernahm den Transfer zum Hotel und Flughafen. Nach dem Turniersieg wollen die Trainer im nächsten Jahr natürlich ihren Titel verteidigen. Das Konzept mit den Gastfamilien hat sie so überzeugt, dass die Jungs dann auch bei Gasteltern untergebracht werden.

Viele neue Erfahrungen

Viel Zeit, um die Sehenswürdigkeiten der Region kennenzulernen, blieb allerdings nicht. Gestern ging es nach dem Mittagessen bereits wieder zurück nach Portugal. Dennoch konnten alle viele neue Erfahrungen sammeln. Und zudem hatten sie ja noch ein zusätzliches Gepäckstück: den Siegerpokal des BWK-Arena-Cups 2020.

Ilshofens C-Junioren

Gut vorbereitet auf das Spiel auf Kunstrasen und mit Rundumbande gingen die Ilshofener Nachwuchskicker ins Turnier. In den letzten sechs Wochen war die U 15 des Oberligisten zweimal wöchentlich zum Training im Kickinside, um optimal präpariert zu sein für die Bedingungen beim BWK-Arena-Cup. Einige gut besetzte Hallenturniere standen zudem in den Weihnachtsferien auf dem Programm. In der Arena Hohenlohe wurde dann am Donnerstag noch einmal ein Abschlussturnier zusammen mit den B-Junioren des TSV durchgeführt.

„Da konnten wir das athletische und temporeiche Spiel unserer Gegner simulieren, damit die Jungs wissen, was auf sie zukommt“, erklärt  Michael Barbir. Hier hatte Ilshofens Trainer auch noch letztmals die Möglichkeit, verschiedene Taktiken ausprobieren. „Je nachdem, wo uns der Gegner anläuft, müssen wir darauf reagieren können.“  Als Grundordnung hat er sich auf ein 1-2-1-1 festgelegt.

„Alle müssen  defensiv mitarbeiten und an ihre Grenzen gehen.“ Außerdem will er sich mit seinem Team gegen die Gegner mit großem Namen keinesfalls verstecken, sondern immer wieder Nadelstiche auch nach vorne setzen. „Wenn wir mit weniger als fünf Toren Differenz verlieren, wäre das schon ein Erfolg“, sieht er seine Elf realistisch als krassen Außenseiter. „Unsere Gruppengegner trainieren vier- bis fünfmal in der Woche, da können wir wohl nicht mithalten.“  Er spricht dennoch von einem unvergesslichen Erlebnis für jeden Ilshofener Spieler, vor so vielen Zuschauer gegen solch namhafte Mannschaften mitspielen zu dürfen. „Wir werden jedes Tor feiern, das wir schießen. Das ist das Highlight.“

Und dann lief es am ersten Tag auch recht ordentlich. Gegen Lissabon (1:5) und Mönchengladbach (1:4) hielt seine Elf gut dagegen. Am zweiten Turniertag schwanden die Kräfte allerdings ein wenig und es gab deutliche Pleiten gegen den FSV Mainz (1:7) und den VfB Stuttgart (0:8). Neben einem Eigentor erzielten Marco Götz und Justin Ernst mit einem sensationellen Torwart-Tor die Treffer für den TSV.. „Insgesamt bin ich dennoch zufrieden mit der Leistung meiner Jungs.“⇥rama

Pysios

Lisa Marie Konle und Miriam Trump sind erstmals beim BWK-Arena-Cup im Einsatz. Die beiden Physiotherapeutinnen vom „Zentrum Mensch“ helfen den Spielern bei kleineren Verletzungen im Rahmen des Turniers.

„Wir leisten Ersthilfe auf dem Spielfeld, aber je nach Art der Verletzung sind wir meistens erst direkt nach Ende der Partie gefordert“, erklärt Konle, die auch schon bei verschiedenen WFV-Auswahlteams als Physio dabei war. Hauptsächlich dreht es sich um Prellungen oder Muskelverletzungen. So wie bei Ilshofens Torhüter Pascal Kraft, der sich im zweiten Vorrundenspiel seine Schulter überdehnt hatte und deshalb getapt werden musste. So stabilisiert konnte der 14-Jährige bei den nächsten beiden Partien wieder im Tor stehen und seinem Team mit einigen Glanzparaden helfen.

„Tapen ist unser Hauptaufgabenbereich.“ Die Erstversorgung bei Muskel- und Gelenkverletzungen erfolgt nach der „Pech-Regel“ (Pause, Eis, Compression, Hochlagern), um den Schaden so gering wie möglich zu halten. Bei schwereren Verletzungen geben die Physios Empfehlungen an die Trainer, ob der angeschlagene Kicker weiterspielen darf oder ob ein Arzt dazugerufen werden sollte. Manchmal muss sogar der Sanka geholt werden, so wie bei dem Dortmunder Keeper, der sich am Samstag den Arm gebrochen hatte.

„Viele Teams haben inzwischen ihre eigenen Physios dabei“, erzählt Sven Weidenbacher, der bereits fünf Mal Physio beim BWK-Arena-Cup war, in diesem Jahr aber als Trainer der C-Junioren des TSV Ilshofen an der Bande stand. „Deshalb sind wir nicht mehr so oft gefordert wie noch in den Anfangsjahren.“

Er betreut während der Saison hauptsächlich die zweite Mannschaft in der Bezirksliga, ist aber auch ab und zu beim Oberligateam dabei. Einmal wöchentlich kommt er zudem ins Training der U-15- bis U-19-Teams, um dort die Rekonvaleszenten bestmöglich zu betreuen und schnell wieder spielfähig zu machen.⇥rama

Splitter

Heute feiert Nick Breitenbücher seinen 17. Geburtstag. Auf den Tag genau vor zwei Jahren hat der ehemalige Nachwuchskicker der Spvgg Satteldorf mit der TSG Hoffenheim den BWK-Arena-Cup gewonnen und sich dabei auch noch die Torjägerkrone mit acht Treffern gesichert. Inzwischen hat das Nachwuchstalent zwei Länderspiele bei der U 16 im DFB-Trikot bestritten. Und der gebürtige Crailsheimer ist auch in dieser Runde wieder gut in Form: Der Linksfuß hat in der Hinserie in der B-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest bereits zwölf Tore in 13 Spielen für die TSG erzielt.

Zur Generalprobe wurde am Freitag das D-Junioren-Blitzturnier mit sieben Mannschaften in der Arena Hohenlohe ausgespielt. Den Turniersieg sicherte sich der Nachwuchs des Zweitligisten VfB Stuttgart mit der eindrucksvollen Bilanz von 39:2 Toren und 18 Punkten. Auf den Plätzen zwei und drei folgten der 1. FC Heidenheim sowie die Auswahl des DFB-Stützpunkts Schwäbisch Hall mit jeweils zwölf Zählern. Der Kerbener SV aus Hessen wurde Vierter (9 Punkte) vor dem FSV Hollenbach (7), VfR Aalen (4) und dem Gastgeberteam des TSV Ilshofen (0).

Als Schiedsrichter im Einsatz war am Samstag Tobias Klingler von der Schiedsrichtergruppe Crailsheim. Außerdem pfiffen auch Knut Krimmer, Timo Bach, Manuel Schmauß, Roman Maier, Marco Zauner und Marcel Beck.

Kurzfristig absagen musste der langjährige Hallensprecher Danny Jüngling wegen Fieber. Doch sein Ersatz machte seine Sache gut. Stephan Lengersdorf (kleines Foto) war schon im Vorjahr Co-Moderator.⇥rama