Abenteuer Oberliga erfolgreich bestanden

Der TSV Ilshofen bleibt in der Oberliga

Beim Abschied von Spielertrainer Ralf Kettemann feiert Ilshofen mit dem 6:0 gegen den SV Spielberg den bislang höchsten Oberligasieg.

Von Hartmut Ruffer

Als der Schlusspfiff ertönte, lagen sich alle, die es mit dem TSV Ilshofen haben, in den Armen: Spieler, Betreuer, Trainer, Zuschauer. Die Stimmung war locker und gelöst. Das 6:0 gegen den bereits als Absteiger feststehenden SV Spielberg war nicht nur deutlich – es war der höchste Sieg in der Oberliga überhaupt für den TSV Ilshofen.

Zwei Stunden vorher waren die Mienen noch angespannt. Dario Caeiro, Vorstand Fußball beim TSV Ilshofen, bekannte, dass er sehr schlecht geschlafen habe. Nicht viel besser ging es dem ersten Vorsitzenden Herbert Schürl. Die Nacht war kurz, der Puls vor Anpfiff erhöht. Sie alle hatten die Sorge, dass es doch noch schief gehen könnte mit dem Klassenerhalt. Die Voraussetzungen dafür waren so, dass sie nicht sehr wahrscheinlich erschienen. Ilshofen musste verlieren, Oberachern in Gmünd und Backnang gegen Ravensburg gewinnen. Zudem hätte der Zweite die Aufstiegsrelegation vergeigen müssen. „Aber an einem letzten Spieltag kann viel passieren“, unkte Herbert Schürl.

Nach spätestens 23 Minuten aber waren alle Anwesenden, darunter auch der zukünftige Trainer Michael Hoskins, wesentlich entspannter. Ilshofen führte mit 2:0, und der SV Spielberg machte nicht den Eindruck gewillt zu sein, an der sich abzeichnenden Niederlage etwas zu verändern.

Kurz geht steil

Ralf Kettemann hatte sich in seinem letzten Spiel nach acht Jahren viel vorgenommen. Waren die ersten Minuten insgesamt noch zerfahren und geprägt von jeder Menge Fehlpässe, schickte Ralf Kettemann nach 14 Minuten Benjamin Kurz steil. Der legte den Ball am herausstürzenden Spielberger Torwart Mathias Moritz vorbei und vollendete zum 1:0. „Wir wussten, wenn wir nachlegen würden, dass es dann sehr wahrscheinlich keinen Widerstand mehr geben würde“, fasste Lukas Lienert nach dem Spiel die Gefühlswelt zusammen.

Und da ein Spielberger Benjamin Kurz von hinten in die Wade trat, gab es neun Minuten später Elfmeter. Ralf Kettemann trat an und schoss in die gleiche Ecke wie beim Relegationsrückspiel vor einem Jahr gegen den Freiburger FC. Damals traf er und auch diesmal war der Ball so präzise getreten, dass Mathias Moritz keine Abwehrchance hatte, obwohl er die Ecke ahnte.

Danach hatte Ilshofen die Partie im Griff. Der SV Spielberg hatte im Laufe der gesamten Partie keine einzige Torchance. Natürlich sei der Gegner nicht der stärkste gewesen, gab Ralf Kettemann nach Spielende zu, „aber man muss erstmal so spielen wie wir.“

So waren es Kleinigkeiten, die nicht passten. Als Lukas Lienert das 3:0 gelungen war, sollte eigentlich als Tormelodie das Nebelhorn von Werder Bremen ertönen. Lienerts Vater ist bekennender Werder-Fan. In der Freude über das Tor aber wurde das vergessen.

Heber von Aziz

So entwickelte sich in der zweiten Halbzeit ein sommerlich anmutendes Fußballspiel. Spielberg tat nicht mehr als notwendig und gewährte den Ilshofenern viel Raum, den diese dankbar nutzten. Beim 4:0 war es der scheidende Ramazan Kandazoglu, der Kurz’ fünftes Saisontor vorbereitete. Den nächsten Treffer markierte Sangar Aziz, als er den Torhüter mit einem Lupfer überraschte. Und der gerade eingewechselte Lukas Lindner konnte sich sieben Minuten vor Schluss über sein fünftes Saisontor freuen. Damit war er zusammen mit Benjamin Kurz und Ralf Kettemann der Spieler mit den meisten Saisontoren für den TSV Ilshofen.

Doch die Statistik war den Spielern völlig egal. Als einziger Aufsteiger schaffte derTSV Ilshofen den Klassenerhalt in der Oberliga. „Das ist mein größter Erfolg in den acht Jahren“, meinte Ralf Kettemann. Dario Caeiro meinte im Anschluss: „Die Mannschaft hat die Prüfung bestanden. Das Abenteuer Oberliga geht für uns weiter.“

„Es ist das perfekte Ende“

Ob Oberliga oder Kreisliga – nicht wenige Mannschaften feiern den Saisonabschluss gemeinsam auf Mallorca. Da macht der TSV Ilshofen keine Ausnahme. Heute früh wird sich ein Teil der Mannschaft Richtung Baleareninsel aufmachen und dort wohl das tun, was sie gestern Abend begonnen hatte: den Klassenerhalt feiern.

Kurz nach dem letzten Saisonspiel wurde Ralf Kettemann verabschiedet. Nach acht Jahren beim TSV Ilshofen, den er in dieser Zeit von der Bezirks- bis in die Oberliga geführt hat, wechselt er als Co-Trainer zur U23 der TSG Hoffenheim. Dario Caeiro, Vorstand Fußball beim TSV, sprach von einer Zeit, die Ralf Kettemann „mehr als geprägt hat“. Wie immer in solchen Momenten buddelte auch Caeiro einige Anekdoten aus. In guter Erinnerung ist ihm das erste Treffen geblieben. „Es war auf einer Party hier in Ilshofen und Kette war nicht sehr gesprächig.“ Und doch fanden der damals noch unerfahrene Caeiro und der frische Ex-Profi Kettemann zueinander. Der Anfang sei heftig gewesen. „Wir wurden regelrecht gehasst.“ Ihn, Caeiro, habe das aufgeregt. „Kette hat dann immer gesagt: Hör nicht drauf. Lass uns unser Ding machen.“ Und das hätten sie getan. „Kette war mehr als ein Spieler, mehr als ein Trainer. Er hatte einen klaren Plan. Er geht andere Wege, ist dabei aber extrem erfolgreich. Und ich bin mir sicher, dass dieser Schritt, den er nun macht, erst der Anfang ist.“ Was Kettemann auch auszeichne: „Er ist nie zufrieden, nie!“

Dem widersprach Ralf Kettemann direkt, als er ans Mikrofon ging. „Dario, ich muss dich gleich mal korrigieren. Jetzt in diesem Moment bin ich sogar sehr zufrieden! Es ist das perfekte Ende.“ Wie es seine Art ist, bedankte er sich ohne viel Pathos bei der Mannschaft, vor allem aber bei Dario Caeiro und Hartmut Layher. „Einen demütigeren Hauptsponsor habe ich noch nicht erlebt.“

Betreuer Hermann Jessensky verabschiedete sich mit einem Bild, die Mannschaft mit einer Collage der acht Trikots, die Ketteman im Laufe der Zeit in Ilshofen getragen hatte. Und Lukas Lienert schilderte noch eine Szene, die für Kettemann charakteristisch ist. „Wir saßen im Restaurant und bestellten Fanta zum Essen. Da kam Kette um die Ecke und meinte nur: Trinkt Wasser, das ist gesünder!“ ⇥ruf